Biberjagd in Schweden

Per Kanu zur Biberjagd zu fahren, ist eine neue Erfahrung, die sich so nicht überall auf der Welt machen lässt.

4 Tage Schweden
Jagdaufenthalt ab 3.250€

Die Biberjagd in Schweden ist an Reiz kaum zu übertreffen. Bei uns ist, seit der Jagdverkürzung von Schnepfe und Taube, der April doch eher ein jagdruhiger Monat. In Schweden dagegen erwartet den Jäger nun ein besonders stimmungsvolles Waidwerk, wie Dr. Christian Holm erfahren durfte.

Eine Herausforderung

Jede Jagd ist immer nur so gut wie die Erlebnisse, die sie uns beschert. Die Bilder, die uns auf dem Weg zum Ziel erwarten. Die Herausforderungen an unser jagdliches Können, die uns am Ende den ersehnten Erfolg bringen. Die jagdliche Kameradschaft mit einem jagenden Freund. Und im besten Fall auch das Neue und bisher Unbekannte, das wir dabei erleben. Die Biberjagd in Schweden, von der ich hier berichten möchte, erfüllte all dies und mehr. Eine Jagd, die an Stimmung, Erlebnis und Freude kaum zu übertreffen war.

Ein Holzfäller

Die Frage, ob ich denn zur Biberjagd Flinte oder die Büchse mitbringen solle, beantwortete meine schwedische Freundin Sandra energisch mit: „Das ist mir egal! Hauptsache du legst den Mistkerl um!“ Ihre wenig romantische Einstellung zu Meister Bockert ist gut verständlich. In dem herrlichen südschwedischen Gutsbetrieb, den sie und ihr Mann Carl-Fredrik, kurz CF, bejagen und bewirtschaften, gab es keinen Mangeln an diesen aquatischen Großnagern. Sie machten auch vor den Bäumen im Park des Herrenhauses nicht halt. Dort nagten sie sich nicht nur durch die Weiden und Birken entlang des Flusses, sondern fällten Bäume!

Enormer Schaden

Am beeindruckendsten war eine riesige Aspe, welche CF nicht einmal zur Hälfte mit den Armen umschließen konnte, die der Biber fein säuberlich geringelt und zudem schon mit Fällkerbe auf der Wasserseite versehen hatte. Bald würde sie zu ihm ins Wasser fallen. Große Probleme machten auch die Biberburgen in den Gräben und Bächen, die teils riesige Überschwemmungen verursachten – sehr zum Schaden der land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Insgesamt wussten meine Freunde von 48 Biberburgen in ihrem Betrieb und erlegten etwa 15 der großen Nager pro Saison.

© Dr. Christian Holm

Biberjagd in Schweden – Die Uferjagd

Schon vor Jahren hatte ich bei meinem ersten Versuch auf die kellenschwänzigen Baumfäller erfahren müssen, dass ihre Erlegung nicht einfach ist. Die Biberburg war nicht zu übersehen, und tatsächlich konnten wir den Biber auch in der Abenddämmerung beim Verlassen seiner Behausung beobachten. Ruhig und zügig schwamm er parallel zum Ufer an uns vorbei, um dann urplötzlich mit einem gewaltigen Platschen abzutauchen. Weit draußen im See tauchte er wieder auf und haute mit seiner Kelle knallend aufs Wasser: Alarm! Dieses Knallen der Kelle ist dem Biberjäger, was das Schrecken des Bocks für den Rehwildjäger bedeutet – man ist entdeckt. Biber äugen und lauschen schlecht, aber winden können sie gut, und dieses Exemplar hatte uns spitz.

Reichlich Äsung für den kellenschwänzigen Baumfäller

Nun schwamm er draußen im See seine Kreise und machte seiner Empörung Luft. Selbst näher wäre ein Schuss unmöglich gewesen, denn im Wasser beschossen, musste man sofort am Stück sein, da dies sonst versinkt. Die Hoffnung, diesen Biber vor Dunkelheit noch an dem Punkt seines Landgangs abpassen zu können, war dahin. Wo er seine Äsung suchte, war nicht zu übersehen: überall entlang des Ufers sah man Gruppen gefällter Birken und Weiden liegen - fein säuberlich am Fuß durchgenagt - welches die Biberjagd geradezu zwingend macht. Nach der Fällung äst der Biber vor allem die jungen Äste im Kronenbereich der Bäume, im Frühling natürlich mit Vorliebe die jungen Triebe. Die Größe der Holzschnitzel verblüfft, man ahnt, welche ungeheuerliche Kraft diese Tiere im Kiefer haben.

© Dr. Christian Holm

Per Boot auf Biberjagd in Schweden

Nachdem mehrere Versuche auf der Biberjagd so oder ähnlich endeten, weil wir von der Landseite dank Schilf und Moor nie nah genug an die Biber herankamen, entschlossen wir uns zum Strategiewechsel. Wir besorgten uns ein Kanu und planten nun, den feuchten Gesellen von der Seeseite aus auf den weichen Balg zu rücken. Ein weiterer Vorteil dieser Strategie: die Biber suchten sich meist die Uferseiten, wo der Wind auf den See hinausstrich, damit sie die vom Land aus drohende Gefahr wittern konnten.

© Dr. Christian Holm

Jagd für Frühaufsteher

An einem sternenklaren Morgen im späten April ließen wir das Kanu um 4.00 Uhr morgens zu Wasser um die Biberjagd fortzusetzen. Der große, runde Vollmond stand niedrig im Westen am klaren Himmel, und die Biberburg am Ufer des großen Waldsees stand dunkel gegen die silbernen Wellen im Mondschein. Auf einer Wiese stand ein Elchtier mit ihren zwei Kälbern, die sie erfolgreich durch die Saison gerettet hatte, und sicherte durch den Morgendunst zu uns herüber. Lautlos glitten wir im Kanu den kleinen Fluss hinunter Richtung Einmündung, wo erst die Erlen den Weiden und dann die Weiden dem Schilf Platz machten. Genau hier hatten die Biber ihre Burg gebaut. Wir passierten den beinahe mannshohen, dunklen Haufen aus Lehm und Stöcken auf wenige Meter. Vorsichtig paddelten wir aus dem Schilfgürtel in die flache Bucht hinaus um die Biberjagd in Schweden fortzusetzen.

© Dr. Christian Holm

Eine Frühlingspracht

Der klare, friedliche Frühlingsmorgen gab nur zögerlich seine Dämmerung auf. CF und ich genossen schweigend das Morgenkonzert. Hier, in der Halbwildnis Südschwedens, wurde mir gezeigt, was uns zu Hause an Tieren alles verloren gegangen ist. Am Himmel lenkte das unheimliche, tiefe Wummern der Bekassine unseren Blick auf ihren kunstvollen Balzflug. Ihre Cousine, die Waldschnepfe, durchkreuzte deutlich zielstrebiger den Morgenhimmel, kam alle fünf Minuten aus neuer Richtung puitzend und quorrend angeschaukelt. Aus dem Schilf drang, den ganzen See ausfüllend, das dumpfe, rhythmische Dröhnen der großen Rohrdommel. Ebenfalls für uns unsichtbar, aber einen permanenten Klangteppich webend, plätscherte das Kullern der balzenden Birkhähne aus dem Moor hinter der Schilfwand zu uns. Dort mussten auch die Kraniche stehen, ihr lautes Trompeten wurde aus der Ferne von einem weiteren Paar beantwortet. Das Klingeln der Schellenten, das weiche Flöten der Krickenten, der Ruf des Kibitzes, der erste Gesang des Schilfrohrsängers – mit jedem Moment bekam dieses fantastische Morgenkonzert auf der Biberjagd in Schweden eine neue Stimme.

© Dr. Christian Holm

Endlich der Showdown

Ich war so gefangen von all dem, dass ich den flachen, dunklen Fleck auf dem spiegelglatten Wasser vor mir fast übersah, der sich recht zügig vor unserem Bug Richtung Biberburg bewegte. Der Biber war leider deutlich aufmerksamer und hatte schon erkannt, dass diesem riesigen, länglichen Ding vor ihm nicht zu trauen sei. Er tauchte unter, und CF und ich wussten, dass er auf dem Weg bis zur Biberburg höchstens noch einmal auftauchen würde, wenn wir Glück hatten. Wir paddelten einige Schläge in die Richtung, wo wir dieses Auftauchen erwarteten, und da kam der Biber auch schon wieder hoch, keine 40 Meter trennten ihn noch von seiner Burg. Nun galt es auf der Biberjagd in Schweden– unsere Chance wahrzunehmen!

Schwieriger Schuss vom wackelnden Kanu

Das Paddel hatte ich bereits so leise wie möglich vor mir abgelegt, und nun drehte ich mich auf meinem wackeligen Kanusitz so weit, dass ich den Biber voraus überhaupt ins Zielfernrohr der .30-06 bekommen konnte. Der Biber schwamm zügig an der Oberfläche etwa 20 Meter vor uns, und mein Leuchtpunkt folgte dem nur dürftig aus dem Wasser ragenden Haupt. Es galt, ein etwa vier Zentimeter messendes, sich bewegendes Ziel schief sitzend aus einem wackligen Kanu zu treffen. Als Biber, Waffe und Kanu sich zufällig zusammen fanden, drückte ich ab, und vor uns gab es eine mächtige Wasserfontäne. In der sich zu unserer Freude der getroffene Biber wälzte. Alles deutete auf eine erfolgreich Biberjagd in Schweden hin.

© Dr. Christian Holm

Der Balg – Eine wertvolle Trophäe

Wir paddelten hastig hin und zogen unsere Beute ins Kanu. Das erlegte Stück beeindruckte durch seine Größe – dabei war dies nur ein kleiner Zehn-Kilo-Biber -, sein dichtes, nasses Fell, den lederartigen, gefurchten Kellenschwanz, die kräftig krallenbewehrten Hinterpfoten und natürlich die langen Nagezähne. Wirklich ein Wild wie kein anderes, welches wir auf einer einmaligen Biberjagd in Schweden bejagen durften. Wir paddelten glücklich und zufrieden noch einige Stunden weiter entlang des gewundenen Ufers, glitten lautlos in Buchten, immer auf der Suche nach einem weiteren Biber. Am Abend mühten wir uns dann nochmal richtig, trugen und zerrten unser Kanu ewig durch die schwedische Wildnis, um auf einem völlig abgelegenen Waldsee einen weiteren Biber nach spannender Wasserpirsch glorreich vorbeizuschießen. Zum Glück, denn so muss ich da wohl oder übel wieder hin, nächsten April. Der weiche, dunkelbraune Biberbalg je- doch, der jetzt eher unscheinbar zu Hause liegt, ist dichter beladen mit Erinnerungen und Bildern einer besonderen Jagd als die Mehrzahl der Gehörne und Geweihe.

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