Sternstunden! Das sind die Momente bei der Jagd, für die wir alle immer wieder rausgehen. Und die möchten wir verewigen. Also schießen wir Fotos. Was dabei zu beachten ist, damit sie gelingen, verrät Dr. Christian Holm.

Der perfekte Schuss  

Ein perfekter Morgenansitz im Mai, mit Sonne, Frühlingsgrün und Vogelgezwitscher. Auf einmal steht tatsächlich der heimliche alte Bock auf der Wiese. Kaum, dass wir dann glücklich neben dem Erlegten im Gras sitzen, denken wir uns: Könnte man diesen Augenblick doch festhalten! Und jawohl, man kann! Es braucht nur eine Kamera und etwas Grundwissen, und im Handumdrehen lässt sich viel von dem Erlebten für uns und die anderen in spannenden Fotos für später bewahren. Ich möchte Ihnen hier anhand einiger Jagdfotos zeigen, wie bei Erlegerfotos auf der Jagdreise nichts mehr schiefgehen kann.  

Die richtige Kamera  

Die gute Nachricht gleich vorneweg: So wie ein guter Schütze kein teures Gewehr braucht, so benötigt man für gute Fotos auch keine besondere Kamera. Fast jede handelsübliche Kompaktkamera ist technisch ausreichend. Ja, sogar mit vielen Handys gelingen heute schon brauchbare Schnappschüsse. Wenn Sie den idealen Begleiter erst noch kaufen möchten, finden Sie Tipps für die Auswahl am Ende dieses Artikels. Aber sicher haben Sie schon eine handliche Kamera, dann nehmen Sie doch erstmal die. In einer kleinen Tasche gegen Sand und Staub geschützt, bei Regen natürlich unter der dichten Jagdjacke. Denn am wichtigsten ist, dass die Kamera immer dabei ist. Wirklich spannende Jagdfotos entstehen nun mal nicht zuhause auf dem Rasen oder in der Garage, sondern nur dort, wo wir jagen: im Revier. Die Fotos sollen ja die Geschichte erzählen, die uns passiert ist: Wo, wann, wie und was! Damit das gelingt, erkläre ich Ihnen zum einen die technischen Grundregeln und zum anderen gebe ich Tipps, wie es nicht nur ein korrektes Foto, sondern am Ende hoffentlich sogar eine spannende und schöne Aufnahme wird. Die Bilder auf Ihrer Digitalkamera können in jedem Fotoladen auf eine CD gebrannt werden, und dort können Sie auch gleich Abzüge bestellen. An diesen guten Bildern werden Sie und Ihre Jagdfreunde sehr viel Freude haben.  

Grundregel  

Optimale Erlegerfotos auf der Jagdreise zeigen natürlich den glücklichen Erleger mit der zugehörigen Beute. Gehen Sie hier immer ausreichend nah ran an das Geschehen. Bedenken Sie, dass die Realität vor Ihrer Linse später auf nur 10 x 15 Zentimeter Papier ausgedruckt wird. Es passiert nur selten, dass der Fotograf zu nah dran war – umgekehrt leider häufig. Bei fast allen folgenden Bildern war der Fotograf höchstens zwei bis drei Meter vom Erleger entfernt.

© Rafal Lapinski
© Rafal Lapinski

Die richtige Höhe  

Runter gilt für beide – für Schütze und Fotograf. Stände der Erleger aufrecht, sähe das erlegte Stück Wild im Vergleich winzig aus. Wenn man im Stehen von oben herab auf die beiden fotografiert, wirkt es auch unnatürlich. Am besten ist man immer auf Augenhöhe mit dem Schützen, also kniet man sich beim Fotografieren ebenfalls hin.  

Passendes Licht

Reicht das Licht, und von wo kommt es? An einem sonnigen Tag, ob auf der Wiese oder im Unterholz, haben wir genug Licht zum Fotografieren. Aber Vorsicht, achten Sie stets auf die Richtung, aus der es kommt. Ob Sie die Sonne sehen können oder nicht, sie sollte nie hinter unserem Objekt sein, sondern zumindest von der Seite scheinen. Licht hinter dem Objekt resultiert in Unterbelichtung und schwachen Farben, Licht auf unserem Objekt leuchtet es aus, und die Farben strahlen!

© Rafal Lapinski
© Rafal Lapinski

Erlegerfotos auf der Jagdreise - optimales Blitzlicht  

Die meisten Kameras schalten automatisch das Blitzlicht hinzu. Man kann ihn auch manuell ein- und ausschalten (Blitzsymbol). Achten Sie darauf, dass Sie allerhöchstens drei bis vier Meter vom Motiv entfernt sind, sonst schafft der Blitz die Ausleuchtung nicht. Versuchen Sie aber unbedingt auch ein paar Bilder ohne Blitz, das gibt die Stimmung oft viel besser wieder (rechts). Bei wenig Licht und ohne Blitz verzichtet man auf jeglichen Zoom wegen der Verwackelungsgefahr. Deshalb werden wir auch auf sehr gleichmäßiges Auslösen achten – wie beim Büchsenschuss! Das Kameraobjektiv ist im Weitwinkelmodus am lichtstärksten. Viele Kameras haben heute sogar einen Bildstabilisator (meist ein Handsymbol), der hilft hier sehr.  

Mehrfaches Auslösen  

Manchmal gelingt es, das Gefühl eines magischen Augenblicks einzufangen – wie hier die bewegenden ersten Minuten für den Erleger eines kapitalen Schauflers. Vergessen Sie in solchen Momenten alle technischen Fragen – drücken Sie einfach ab! Auch mehrmals. Ein unscharfes oder falsch belichtetes Foto lässt sich ja jederzeit wieder löschen, aber der Augenblick kommt nie wieder.

© Thomas Atwell
© Rafal Lapinski

Der Autofokus  

Damit die Beute und der Jäger scharf sind, muss man mit dem Autofokus auch auf diese zielen und nicht auf den Hintergrund. Kameras haben hierfür ein „Absehen“ im Sucher, meistens einen Kasten, und einen „Druckpunkt“ am Auslöser. Zielen Sie also mit dem Kasten auf das Objekt und drücken den Auslöser bis zum Druckpunkt. Der Autofokus meldet durch ein Piepen, dass er sich scharf gestellt hat. Nun können Sie, während Sie den Auslöser bis zum Druckpunkt gedrückt halten, Ihren Bildausschnitt frei wählen. Erst wenn Sie den Auslöser ganz durchdrücken, wird das Foto gemacht.  

Erlegerfotos auf der Jagdreise – das Niederwild  

Fotos bei der Niederwildjagd sind nicht einfach – die Beute ist halt sehr klein. Mehr noch als bei Hochwildfotos zählt hier das Wo, Wann, Wie und Wer. Wichtig hierbei ist immer, genug von der Landschaft zu sehen, wo der Erleger Waidmannsheil hatte. Nur so wird die Erinnerung optimal konserviert.

© Rafal Lapinski

Letzter Tipp

Oft ist man alleine auf der Jagd und hat niemanden, der das Foto machen kann. Man kann aber auch herrliche Erinnerungsfotos ohne den Erleger machen, wie hier bei diesem interessanten Bock. Oder Sie benutzen einen Selbstauslöser. Übrigens sieht es meistens am besten aus, wenn man wie hier den Rücken des Stücks zum Fotografen dreht, das Haupt Richtung Spiegel biegt und dann aufrecht hinlegt. Störendes Gras vor dem Haupt unbedingt wegrupfen!

© Thomas Atwell

Kleiner Kaufberater für Ihre Jagdkamera 

Gehen Sie unbedingt in einen richtigen Fotoladen mit guter Beratung. Eine falsch gekaufte Kamera ist mit Abstand der teuerste Fotoapparat. Achten Sie darauf, dass der (meist jagdunkundige) Verkäufer versteht, dass Sie eine zuverlässige, solide Kamera brauchen und keinen technischen Spielkram mit vielen Knöpfen. Für Ihre „Immer-dabei-Kamera“ im jagdlichen Alltag würde ich Ihnen folgendes empfehlen:

• digitale Kompaktkamera, klein und handlich, aber robust

• am besten wasserdicht und schlagfest

• dazu eine kleine Bereitschaftstasche mit Reißverschluss („sanddicht“)

• Brennweite: Weitwinkel (28 mm nach altem Maß) viel wichtiger als Tele!

• gute Lichtstärke – also sind gute Blendenwerte vorteilhaft

• der Autofokus muss auch bei schlechtem Licht funktionieren

• ein Blitzlicht ist wichtig

Weitere Beiträge