Elchjagd in Schweden mit dem Loshund

Erlebnisreicher als die aktive Jagd auf Elchwild mit dem Loshund in Schweden kann es wohl nicht mehr werden.

Ein Jämthund beweist auf der Elchjagd in Schweden mit dem Loshund absoluten Jagdverstand. Suchen, Finden, Hetzen, Stellen – er beherrscht alle Disziplinen. Wer Erfolg haben möchte, braucht einfach nur seinem unverkennbaren Standlaut zu folgen.

„After you!“  

Kraftvoll, beharrlich und aggressiv schallt uns der Standlaut entgegen, als wir, vor Anstrengung schnaufend, im Eilmarsch die letzte Felsenkuppe überwunden haben und in die vor uns liegende moorige Senke absteigen. Peter dreht sich triumphierend um, lächelt zufrieden und streckt den Daumen hoch. Seine Jämthündin „Birka“ hat den Elch voll unter Kontrolle. Wenn wir jetzt keine Fehler machen, wird die Loshundjagd erfolgreich enden. Dann wird sein Grinsen noch breiter. Mit einer einladenden Geste tritt er zur Seite, verneigt sich leicht ironisch und flüstert: „After you!“

Traumhaftes Skandinavien

Die Szene spielt mitten in Schweden, zwischen Stockholm und dem Vätternsee. Die Landschaft, dominiert von weiten Nadelwäldern, ist durchsetzt mit Feldern, felsigen Weiden und vielen Seen. Wir sind zu Gast bei guten schwedischen Freunden, die von Forst und Landwirtschaft leben und auf diesen Betriebsflächen eine großartige Jagd haben. Der Termin steht Jahr für Jahr fest im Kalender: Anfang November auf Elche mit dem Loshund. Diese Jagdart ist an Spannung und Faszination kaum zu überbieten, und ob mit oder ohne Elch am Ende der Jagd, man hat danach sicher viel von der schwedischen Landschaft gesehen und einiges erlebt. Nicht umsonst bezeichneten die englischen Autoren des jagdlichen Mammutwerks „The gun, at home and abroad“ (1914)
 die Loshundjagd in Schweden als „möglicherweise beste Großwildjagd, die man in Europa haben kann“. Und damit ist alles gesagt – denn die Engländer lieben bei der Jagd die Herausforderung.

Routine auf der Elchjagd in Schweden mit dem Loshund

Unser Ablauf auf der Elchjagd in Schweden mit dem Loshund ist immer der Gleiche. Im ersten Licht treffen wir uns bei Per, dem Berufsjäger des Reviers. In seinem Büro sitzen schon sein zweiter Mann Gunnar und die drei Hundeführer Björn, Peter und Kenneth. Da wir uns seit Jahren kennen, ist die Wiedersehensfreude groß. Der schwedische Herbsttag ist allerdings kurz, und Per beginnt sofort mit der Zuteilung der Revierteile an die Hundeführer sowie mit der Verteilung des notwendigen Kartenmaterials. Jeder von uns drei Deutschen steigt zu einem der Hundeführer in den Pick-up, und schon rumpeln wir los. Am geplanten Startpunkt angekommen, wird der Wagen geparkt. Die Klappe hinten geht auf, und man schaut in zwei oder drei aufgeregte Hundegesichter hinter den Gitterstäben – wer darf heute als erstes jagen?  

Jämthundrüde Nero

Die Namen der meisten Hunde kennen wir inzwischen, und so wie die drei Hundeführer ihre Eigenarten haben, so gilt dasselbe für die Hunde. Unvergesslich bleibt „Nero“, ein besonders großer, starker Jämthundrüde von Björn, der in unseren ersten Jahren ein zuverlässiger Garant für Erfolg war. Auffallend war vor allem, dass Nero die Elche oft auf seinen Führer zudrückte, so dass ich meine ersten Elche alle vor Nero sowie hochflüchtig erlegte. Meistens war die Schussentfernung gering, und der Anblick eines sich aus voller Fahrt überschlagenden Elchhirsches ist – gelinde gesagt – beeindruckend. Aber das Prinzip der Loshundjagd ist eigentlich ein anderes – der Hund soll den Elch finden, hetzen und stellen. So sehe ich das jedenfalls – mein Hundeführer für heute Morgen, Peter, ist da weit weniger wählerisch.

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© Dr. Christian Holm

Passionierte Freunde

Als technischer Mitarbeiter für wildbiologische Forschungsprojekte ist Peter
 Tag und Nacht im Busch. Wie die drei anderen kommt er aus dem Norden, aus der Provinz Dalarna. Dort gehören Bären, Luchse und Wölfe zu den jagdbaren Arten. Er jagt dieses Wild mit den gleichen Hunden, und jedes Jahr hat er neue Stories auf Lager. Auf meine Frage, wie viele Luchse er denn schon geschossen habe, grinst er breit: „120!“ Auf mein erstauntes Gesicht hin erklärt er weiter: „110 mit dem Narkosegewehr, zehn richtig.“ Jahrelang half er dabei, Luchse zu besendern. Da Peter sowieso nur draußen ist, ist er trotz oft schlechtem Wetter immer recht lässig gekleidet, er merkt wohl kaum mehr den Unterschied zwischen Wohnzimmer und Wildnis. Und er liebt sein Nikotin. Während wir dem Hund (und Elch) durch unwegsames Gelände hinterherrennen, steckt er sich in den rechten Mundwinkel eine Kippe und auf der anderen Seite noch einen dicken Bollen Kautabak in den Mund.

Praktischer Jagdverlauf

Wenn es nach Peter geht, dann darf die Elchjagd in Schweden mit dem Loshund gerne laufen wie vor zwei Jahren, als wir schon aufgegeben hatten und laut schwatzend den Rückweg entlangliefen und dabei von einem interessierten Elchtier samt Kalb beobachtet wurden. Wir liefen zusammen weiter, dann ging nur noch Peter sabbelnd voran und ich schlich geduckt zurück und erlegte das Kalb – sehr praktisch das Ganze, so dicht am Weg. Auch das ist natürlich nicht der wahre Jakob der Loshundjagd, aber dazu kommen wir noch.  

Schlaue Hunde

Am Auto wird der Hund erst einmal mit einem Sender versehen. Heute ist das bei unseren drei Hundeführern ausnahmslos das GPS Garmin Astro 220. Früher waren es die altbekannten Peilsender und Antennen, da gehörte das Ausklappen der Antennen und das quietschende Ping-Geräusch zum Geschäft. Man muss ehrlicherweise sagen, dass die Loshundjagd heute mit dem GPS deutlich einfacher geworden ist, weil man nun ganz einfach sehen kann, wo genau der Hund im Gelände ist und in welche Richtung er sich bewegt. Aber alle Technik kann das Wichtigste nicht ersetzen – den gut abgerichteten, eingejagten Elchhund. Und den bemerkt man schon nach kurzer Zeit. Wir haben uns langsam in Bewegung gesetzt und pirschen gegen den Wind in unser Jagdgebiet zur Elchjagd in Schweden mit dem Loshund.

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Folgende Hunde

Meist ist das ein guter Tageseinstand, entweder die Jungwuchsdickungen, ausgedehnte ehemalige Kahlschläge oder größere Sumpfflächen, am besten noch mit felsigen Inseln und Baumbestand durchsetzt. Der Elchhund ist nach wenigen Minuten schon verschwunden, hat einen Wechsel angenommen oder wird von anderen unsichtbaren Fäden in den Busch gezogen. Findet er erstmal nichts, so erscheint er nach einer Zeit von fünf bis etwa fünfzehn Minuten wieder bei uns, und zwar immer von hinten auf unserer Fährte kommend. Die Hunde schlagen also auf ihrer Quersuche immer einen vollen Bogen, bis sie wieder auf unserer Fährte angekommen sind, und folgen uns dann zu unserem neuen Standort.

Faszinierende Jagd

An erhöhten Plätzen, an den Rändern
 von Kahlschlägen und anderen günstigen Stellen halten wir oft an und warten ab. Dann plötzlich Laut! Das kann aber auch bedeuten, dass eins der zahlreichen Stücke Damwild dem Hund so provokant vorkommt, dass er es einfach nicht lassen kann, das Stück ein wenig anzuhetzen. In dem Fall wird der Hund aber bald schon wieder ablassen und zurückkommen. Gespannt warten wir, was als nächstes passieren wird. Ist es aber ein Elch, wird der Hund, so gut er kann, bei dem Stück bleiben. Nun wird es kritisch – was macht der Elch? Ich habe bis heute nicht begriffen, welche Faktoren darüber entscheiden, ob ein Elch das Spiel mit dem Hund mitmacht oder nicht. Denn wenn der Elch nicht will, kann kein Elchhund dieser Welt den Koloss stoppen. Er legt den Vorwärtsgang ein und marschiert, solange er mag. Und das passiert leider häufig. Auf dem GPS sieht man dann, wie Hund und Elch in kürzester Zeit ein bis zwei Kilometer zurücklegen. Dann merkt der erfahrene Loshund auch schnell, dass mit diesem Elch nichts zu holen ist und lässt ab. So richten unsere Freunde jedenfalls ihre Hunde ab, und es ist klug, weil man sonst nur stunden-, eventuell tagelang damit zu tun hat, den verlorenen Hund wieder einzusammeln.

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Schnelle Jagd

In dieser Situation der Loshundjagd knallt es oft auch schon, nämlich dann, wenn neben dem Hundeführer noch Vorstehschützen im Revier sind, die auf den bekannten Elchwechseln angestellt werden. Modern, wie die Schweden sind, hört man Sekunden später schon per Handy oder Funkgerät, ob die Jagd vorbei ist oder ob Hund und verbleibende Elche weitergegangen sind. Seltsamerweise ist es so, dass – obwohl man den Elch manchmal gar nicht zum Stehen kriegt – es bei einem anderen Mal gleich mehrere Chancen gibt. Erst vor Kurzem erlegte ich so beide Kälber desselben Tiers im Abstand von einer halben Stunde, und auch das Tier ließ sich dann erneut stellen, wurde aber pardoniert.

Anstrengende Jagd

Aber diesmal rennen wir uns die Hacken schief, das Alttier mit seinem Kalb will sich nicht stellen, setzt sich aber auch nicht endgültig ab. Zweimal hatten wir schon guten Standlaut, aber beide Male kamen wir nicht nah genug heran, und entweder verriet uns der Wind oder die großen Elchlauscher hatten uns doch vernommen. Nun der dritte Anlauf – die gute Birka verbellt jetzt schon seit einer guten halben Stunde ihren, unseren Elch, und wir haben nach all dem Gerenne noch etwa ein- bis zweihundert Meter übrig, sehen aber noch nichts. Peter hat mich vorgelassen, und ich weiß, dass ich nun nur zu schnell sein kann, aber kaum zu langsam. Der Wind passt, der Elch hat sich gestellt, nun immer mit der Ruhe! Endlich wird der Bestand lichter, und wir sehen in einer flachen, moorigen Senke mit knietiefem Weidengestrüpp und weichem Moos sowie ein paar verkrüppelten Kiefern ein großes, schwarzes Elchtier mit seinem Kalb stehen.  

Perfekter Jagdtag auf der Elchjagd in Schweden mit dem Loshund

Den Hund sieht man kaum, so klein wirkt er neben dem unglaublich hochläufigen Tier. Wie üblich schirmt es das Kalb gegen den Hund ab, hält sich also hinter dem Kalb, das langsam und unsicher ein paar Schritte hin- und herzieht. Im Schuss bricht es zusammen. Es ist „nur“ ein Kalb, aber für mich endete eine Loshundjagd, wie sie klassischer und perfekter nicht hätte sein können: lange, anstrengende Hetze, mehrere vergebliche Versuche der Annäherung und schließlich ein spannendes Finale mit einem Bild, wie Rien Portvliet und Harald Wiberg es schöner und schwedischer nicht hätten malen können: zwei dunkelgraue Elche vor dem lautgebenden Jämthund im Moor!

© Dr. Christian Holm