Jagd in Neuseeland

Neuseelands Natur ist einzigartig und vielfältig. Hier zu jagen gleicht einem unerreichbaren Privileg.

Die Jagd in Neuseeland kostet Kraft und Ausdauer. Dennoch lohnt sich die schweißtreibende Jagd, weiß Dr. Christian Holm zu berichten.

Beliebtes Urlaubsziel für Naturfreunde

Neuseeland ist sicher zu recht eines der beliebtesten Urlaubsziele für Naturfreunde aus aller Welt – seine landschaftliche Schönheit ist weltberühmt. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass dieses herrliche Land auch eine Vielzahl an jagdlichen Möglichkeiten bietet – und diese größtenteils kostenlos auf der Jagd in Neuseeland! Auf tausenden von Quadratkilometer staatlichen Landes kann jeder, auch der Besucher aus Übersee, unentgeltlich auf Rothirsch, Gams und Sau jagen. Während eines Studienjahres in Neuseeland konnte ich von diesem Recht ausgiebig Gebrauch machen. Ich möchte Ihnen dieses jagdliche Traumziel vorstellen und Tipps geben, wie Sie nächsten März/April zu Ostern, wenn auf der Südhalbkugel Herbst ist, „down-under“ Ihren Brunfthirsch erlegen können – kostenlos!

Viel Schweiß

Kostenlos bedeutet aber sicher nicht umsonst. Nur dass die Währung nicht Euro oder Dollar, sondern Schweiß lautet – viel Schweiß. Wildnisjagd ist meistens anstrengend. Statt Wildacker und Kanzel gibt es hier nur dichten Busch, tiefe Flüsse und hohe Berge. Neuseeland ist auch bekannt für Farmjagd, für Abschuss vom Helikopter und für fragwürdige Hegeziele in Rotwildgattern – doch ich möchte mich ganz auf die Wildnisjagd beschränken. Denn das Land ist nur um ein Viertel kleiner als die Bundesrepublik, aber es leben hier gerade einmal 4,5 Millionen Menschen – und davon wiederum mehr als die Hälfte in den drei großen Städten.

© Silvio Heidler
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Erwünschte Jagd

Trotz der vielen Schafsfarmen bleiben tausende von Quadratkilometer Urwald und Berge übrig, die in staatlicher Hand sind und wo vor allem die Jagd auf Schalenwild nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist. Der Grund ist der gleiche wie bei uns in Deutschland – wenn Hirsch, Gams und Sau nicht reguliert werden, geht es der Vegetation an den Kragen. In Neuseeland ist dies verstärkt der Fall, weil sämtliches Schalenwild eingebürgerte Exoten ohne natürliche Feinde, die Flächen riesig und oft unzugänglich sind und es im Verhältnis zur Fläche zu wenig Jäger gibt.

Wildpalette

Das alles soll uns als deutsche Jäger aber nicht abschrecken – man kann auf der Jagd in Neuseeland in fantastischer Natur jagen, und nur das zählt. Grundsätzlich denke ich, dass die Südinsel für die Jagd die reizvollere ist. Das liegt vor allem an den mächtigen neuseeländischen Alpen, die sich über eine Länge von 450 Kilometer erstrecken und 17 Gipfel über 3.000 Meter Höhe vorweisen. Im hochalpinen Bereich findet man vor allem Gams und Tahr, letzterer eine Wildziegenart aus dem Himalaja, die sehr anspruchsvoll zu bejagen ist und es noch höher und steiler liebt als die Gams. In den flacheren Vorgebirgen ist vor allem Rotwild die Hauptwildart. Es gibt je nach Region aber auch noch Wapiti, Damwild, Sikawild, Sambarhirsche, Rusahirsche und Weißwedel.

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Nachfragen lohnt sich

Nachfragen vor Ort lohnt immer. So erlebte ich zum Beispiel durch Zufall im Norden der Südinsel in der Region Marlborough eine spannende Saujagd mit Hunden. Ein nettes Gespräch in einem Pub mit zwei jungen Kerlen resultierte in einem herrlichen Tag Gerenne hinter den Hunden und abschließendem Stellen eines Überläufers, der mit dem Messer abgefangen wurde. Sehr befremdlich war für mich nur, dass die beiden Jäger ihr Wild nicht verwerten wollten. Sie hätten die Wutz liegen gelassen. Ich löste mir das Wildbret aus, und unsere Studentenbude hatte Fleisch für drei Wochen. Andere Länder, andere Sitten.

Jagd in Neuseeland – Vorsicht geboten

Dass man für die Jagd in Neuseeland in diesen Weiten vor allem auch an seine persönliche Sicherheit denken muss, habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn mehrmals erfahren müssen. Lassen Sie sich bloß nicht von den Neuseeländern täuschen – das klingt meist alles ganz harmlos: „Du parkst hier am Ende der Schotterpiste und querst den Fluss oberhalb der Gabelung. Steig über den Bergrücken ins Nachbartal, du kannst in der Hütte dort übernachten, bequem die Gegenhänge abjagen, ’ne Menge Gams da!“ Klingt alles ganz fabelhaft, bedeutet aber zuweilen: Vom Auto zur Flussgabelung sind es vier Stunden Urwaldmarsch, der Bach ist ein tosender Wasserfall, der Bergrücken ein 1.500 Meter hoher Steilhang und die angepriesene Hütte weniger Wetterschutz als historische Landschaftsdekoration. Kiwis sind zähe Burschen. Sie machen kein Aufheben, aber wir verwöhnte Mitteleuropäer sollten unsere Grenzen kennen und unsere Jagdplanung dem unterordnen.

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© Dr. Christian Holm

Opfer des Leichtsinns

Bei einer Winterpirsch alleine in den Zentralalpen wurde ich fast Opfer dieses Leichtsinns auf der Jagd in Neuseeland: Eine Schneebrettlawine löste sich unter meinen Füßen mit einem hässlichen Zischen. Zum Glück riss sie mich nicht mit, aber das Rumpeln in der Wand unter mir klang grausig, und ich verspürte danach absolut keinen Wunsch mehr, den Tahr auf der anderen Seite des Kessels zu schießen. Selbst wenn ich ihn noch getroffen hätte, an eine Bergung war nach dem Erlebten nicht mehr zu denken.

Jagderfolg

Mein schönstes Jagderlebnis auf der Jagd in Neuseeland war die Erlegung eines echten Urwaldhirsches mit guten, dunklen und endenarmen Stangen. Ich war einen langen Tag ein Tal hinaufmarschiert und hatte mein Zelt am Fluss aufgebaut. Die übliche lässige Empfehlung eines Kiwis, 1.000 Meter weiter oben oberhalb der Baumgrenze zu jagen, überforderte mal wieder meine Fitness und meinen Einsatzwillen, aber diverse Fährten ließen mich auch am Fluss auf meine Chance hoffen. Es war Hochbrunft, theoretisch, aber zu hören war nichts. Die Suhlen am Fluss sahen trotzdem sehr verlockend aus, und tatsächlich traf ich eines Abends auf dem Nachhauseweg im allerletzten Licht auf einen Geweihten. Gegen das helle Flussgeröll konnte ich den Wildkörper dank guter deutscher Optik noch gut ausmachen, und auf keine 50 Meter war der Schuss nicht schwer.

© Rafal Lapinski
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Jagd in Neuseeland – große Freude

Die Freude und Aufregung über diesen Hirsch war ganz besonders. Ich saß im Dunkeln alleine an diesem Fluss mitten im Nirgendwo neben meinem ersten (und auch weiterhin einzigen) Wildnishirsch. Auch der lange Heimweg zum Auto am nächsten Tag mit dem Wildbret und der Trophäe ist mir in Erinnerung geblieben: Insgesamt hatte ich knappe 40 Kilogramm auf dem Buckel. Der einzige Vorteil war, dass ich bei den tieferen Flussquerungen endlich einen satten Bodenkontakt hatte und nicht weggespült wurde.

Nichts wie hin!

Das Planen einer solchen Jagd in Neuseeland ist heute dank Internet nicht mehr schwierig, die Infos des Departments of Conservation (DOC) sind exzellent. Dennoch rate ich Ihnen dringend, sich vor Ort ausführlich mit einem DOC-Beamten zu unterhalten. Man wird Ihnen gerne helfen, und so hat man die besten Erfolgschancen. Und seien Sie bitte vorsichtig, jedes Jahr gehen Jäger im Busch verloren, also sind Karte, Kompass und GPS unverzichtbar. Bezüglich Waffeneinfuhr, Jagderlaubnis und Jagdfreundlichkeit der Bevölkerung kann man sich kaum ein unkomplizierteres Land vorstellen. Die Hauptjagdzeit liegt in unserer Schonzeit, und die nichtjagenden Familienmitglieder können dort auch ihren Traumurlaub verbringen, von Ski fahren bis Wale beobachten – also, worauf warten Sie noch? Ich wünsche Ihnen viel Waidmannsheil „down-under“!

© Rafal Lapinski
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