Schneehuhnjagd in Schweden

Begleiten Sie Dr. Christian Holm in die Berge Lapplands und gehen Sie mit ihm auf Schneehuhnjagd in Schweden.

Begleiten Sie Dr. Christian Holm in die Berge Lapplands und gehen Sie mit ihm auf Schneehuhnjagd in Schweden. Sie erwartet, während einer einmaligen Flintenjagd, unberührte Natur und das Waidwerken auf eine besonders anspruchsvolle Wildart.

Die Könige des Fjälls

Glück kennt keine Zahlen. Glück kennt keine Zentimeter. Glück kann man sich Zuhause nicht an die Wand hängen. Aber mehr als glücklich kann man nicht sein auf und nach einer Jagdreise! Und glücklich, sehr glücklich und erfüllt waren wir auf unserer Schneehuhnjagd in Schweden. Auf der Suche nach Ripa, der Königin des Fjälls, dem Alpenschneehuhn. Die Landschaft sieht so ähnlich aus wie die schottischen Highlands – aber dies ist Schottland für Fortgeschrittene: die Berge, Seen und Flüsse Lapplands sind drei Nummern größer, freier, wilder und vor allem viel unberührter. Hier gibt es keine Reviere, keine Berufsjäger, keine Hege – nur wilde, schnelle Vögel, die zu erbeuten den Jäger ganz fordern. Schneehühner zu bejagen, das bedeutet noch echte Wildnis, und sie liegt keine drei Flugstunden von Ihrer Haustür entfernt.

Die Jagd

Die Weite Nordschwedens ist für uns Mitteleuropäer atemberaubend. Wir flogen von Stockholm noch einmal anderthalb Stunden mit dem Jet stramm nach Norden bis nach Kiruna, unserem Zielflughafen. Hier oben, nördlich des Polarkreises, gibt es nur sehr wenige Menschen, aber sehr viel Platz – der Traum eines jeden Jägers. Noch ein Beispiel? Unser Jagdführer Hakkan, ein drahtiger Schwede Anfang vierzig, fuhr mit uns an einem See entlang, dem wunderschönen Torneträsk, der einfach kein Ende nehmen wollte. Ein verstohlener Blick auf Wikipedia erklärte, warum: Der See ist 70 Kilometer lang, also sieben Kilometer länger als der Bodensee – und nur der siebtgrößte See Schwedens!

© Dr. Christian Holm

Die nördlichste Stadt Schwedens

Auch Kiruna, mit seinen knapp 20.000 Einwohnern die nördlichste Stadt Schwedens, existiert nur dank einer riesigen Eisenerzmine unter der Stadt. Deshalb findet man hier eine sehr gute Infrastruktur, und die Stadt war der Ausgangspunkt für unsere Schneehuhnjagd in Schweden, mit der Flinte. „Wir“, das waren meine beiden Freunde Hauke und Alex, ich und der eingangs erwähnte Hakkan. Hakkan hatten wir über Carsten Dogs von Jagdreisen Lappland gefunden. Ebenso wie den Hubschrauberdienst „Arctic Heli“.

Heli statt Auto

Denn um jetzt, Anfang September, in
das Reich der Schneehühner zu gelangen, mussten wir noch ein letztes Mal fliegen, diesmal aber mit dem Hubschrauber. Etwas befangen kletterten wir in das lärmende Ungetüm, und schon drückte uns Hakkan mit größter Selbstverständlichkeit seine beiden Hunde auf den Schoß. Die beiden Setter, im Heli fliegen deutlich erfahrener als wir, machten das seelenruhig mit. Wenige Augenblicke später hoben wir ab und knatterten Richtung Schneehuhnjagd in Schweden. Diese leben im Sommer am Rande und oberhalb der Baumgrenze, die hier im hohen Norden meist zwischen 600 und 700 Metern liegt. Unser Start führte uns über eine wundervolle Flusslandschaft, in wenigen Minuten waren wir über die Kiefern des Tals geflogen, überquerten dann den Birkensaum darüber und landeten schon an der unbewaldeten Flanke eines Berges. Endlich waren wir am Ziel, und nachdem der Heli hinter dem Grat verschwunden war, umgab uns nur noch Stille und Weite. Hakkan rüstete seine Setter mit Weste und GPS-Sender aus und dann begann die spannende Jagd auf die Schneehühner.

© Dr. Christian Holm

Das Revier

Das Gelände vor uns am Berghang war eine typische Tundralandschaft: ein dichter, aber niedriger Teppich aus Beeren- und Heidegewächsen, aus dem überall essbare Beeren leuchteten – nicht weniger als acht verschiedene Sorten. In feuchten Senken, entlang der Gewässer und im Schutz von Felsvorsprüngen wuchs hellgrün belaubtes Weidengestrüpp – alles Deckung für die Schneehühner. Damit 
ist deren Lebensraum schon ausreichend beschrieben: Man braucht Weidengestrüpp und Heidekraut als Deckung, Beeren als Äsung sowie Wasser und Magensteine.

Ein Lemmingjahr

Von all dem sahen wir hier überreichlich! Wo also waren die Hühner? Das sollten unsere Hunde herausfinden, und sie liefen mit Feuereifer weit ausgreifend los. Wir folgten ihnen in einer parallelen Dreierkette, gespannt auf den ersten Wildkontakt. Da stand der erste Setter schon vor! Aber bevor wir bei ihm waren, machte er einen Satz in den Heidebusch vor ihm – und hatte den ersten Lemming im Fang. Eine Situation, die sich noch häufiger wiederholen sollte. Es war ein Lemmingjahr, und die Kleinnager waren überall zu finden. Zur Freude der Setter, zum Leid von Hakkan.

© Dr. Christian Holm

Das erste Ripa

Unsere Suche nach den Schneehühnern dauerte inzwischen schon eine gute Stunde an, und wir hatten nicht mal ein Schneehuhn gesehen. Nicht ungewöhnlich, das ist nun einmal das Risiko der Jagd in echter Wildnis. Letztes Jahr hatte ich sogar mal einen ganzen Tag erfolglos auf der Schneehuhnjagd in Schweden verbracht. Inzwischen waren wir weit aufgestiegen, und Hakkan entschied sich dafür, einem wunderschönen Bach hinab zu folgen. Das recht steile Wildgewässer war von hohen Felsen eingefasst, und eine solche Felswand schien nun unsere Setter zu interessieren. Ohne jede weitere Vorwarnung explodierten plötzlich drei Ripa unter uns aus dem Schatten der Felswand und flogen, sicher zwanzig Meter unter uns, rasant quer über die Bachschlucht. Hauke stand am günstigsten, schoss zweimal – und tatsächlich, trotz des mehr als ungewohnten Schusswinkels steil nach unten fiel eins der weißbraunen Raufußhühner mit gutem Treffer, unser erstes Ripa.

Verschiedene Hühnervögel

Und nicht nur das, als wir nach einigem Bergabgestolper unsere Beute begutachteten, stellte sich heraus, dass es ein Berg-Ripa war. Diese seltenere Unterart des Alpenschneehuhns lebt noch höher als das Tal-Ripa, unsere Hauptbeute auf dieser Jagd. Beide Unterarten sind nur im Winter rein weiß. Im Sommer hingegen ist die Unterseite weiß, das Gefieder der Oberseite hingegen ist in Braun- und Grautönen fein gezeichnet. Die Schneehühner gleichen in Größe und Gewicht unserer heimischen Ringeltaube, wiegen also ein gutes Pfund. Der Flug ist wie bei allen Hühnervögeln gerade und sehr schnell – keinen Deut langsamer als der des berühmten schottischen Vetters, dem Moorschneehuhn.

© Dr. Christian Holm
© Dr. Christian Holm

Der Bruterfolg zählt

Der Lebensraum der Schneehühner, hier oben in den Bergen nördlich des Polarkreises, ist unvorstellbar hart. An unserem ersten sonnigen Jagdtag auf der Schneehuhnjagd in Schweden, Anfang September, war alles angenehm, schließlich herrschte eine regelrechte Hitzewelle in Lappland, aber man mochte kaum begreifen, wie so ein kleiner Vogel in dieser Landschaft die langen, eisigen Wintermonate überstehen konnte. So hängt die Strecke jeder Jagdsaison dann auch vor allem von einem ab: dem Bruterfolg. In manchen Jahren kommt kaum ein Jungvogel durch, und dementsprechend wenig Hühner sind vorhanden. In guten Jahren, und unser Jahr war ein sehr gutes Jahr, bringt jedes Paar bis zu zehn Jungvögel durch. Aber selbst dann wird man nie große Strecke machen, dafür fehlt es in der Wildnis doch an Wilddichte.

Keine einfache Schneehuhnjagd in Schweden

Das offizielle Jagdlimit beträgt acht Schneehühner pro Tag und Jäger – ein Ergebnis, das gute Schützen mit guten Hunde in guten Jahren sehr wohl erzielen können. Aber meist hängen doch deutlich weniger Vögel am Galgen. Wir hatten nun also ein Huhn und noch etwa fünf Stunden Jagd vor uns. Unser erster Kontakt überzeugte den erfahrenen Hakkan, dass es den Schneehühnern an diesem sonnigen Tag zu warm sei und sie schattige Plätze suchten. Tatsächlich fanden wir bergab mit zunehmend Wasser und Deckung auch immer mehr Schneehühner, und unsere Strecke wuchs stetig. Nun ist noch kein Meisterschütze auf Schneehühner vom Himmel gefallen, aber am Ende eines erlebnisreichen Jagdtags hatten wir fünfzehn Stück – für Schneehühner ein tolles Ergebnis!

© Dr. Christian Holm

Keinerlei Spur eines Menschen

Das anfangs beschriebene Glück fand seinen Höhepunkt am zweiten Jagdtag am höchsten Punkt unserer Reise: auf dem Gipfel eines namenlosen Berges. Die Landschaft, die vor uns in alle Richtungen ausrollte, war so unfassbar schön und grenzenlos, dass es uns die Sprache verschlug. Nach Süden schauten wir auf die Ufer und riesige Wasserfläche des Torneträsk. Ansonsten im Rundblick nur Berge und Täler in allen nur denkbaren Formen und Farben. Tief unten am See noch satte Grüntöne, dann hinauf das Gelb von Feucht- und Moorflächen, der weißgrau schimmernde Birkensaum und dann der nicht endende Wechsel der Farben der Tundra. Die Härte der Umwelt und Jahrtausende vom Menschen ungestörten Wachsens versehen jede Fläche dort oben mit einer anderen Bedeckung. Hier gibt es noch Berge und Täler, wo man keinerlei Spur eines Menschen entdecken kann.  

Köstliche Schneehühner

An diesem zweiten Jagdtag waren wir erst sehr weit abgestiegen und hatten nicht ein Huhn gefunden, zum Glück. So mussten wir satte 800 Höhenmeter wieder aufsteigen – und fanden so unseren Gipfelrausch und dort oben auch reichlich Hühner, die an diesem deutlich kühleren Tag viel höher saßen als noch am Vortag. Am Ende lagen neun weitere Schneehühner, und wir waren bei der Steigerei ans Limit unserer Fitness gelangt – fix und fertig, aber selig. Abends, mit köstlichem Schneehuhn auf dem Teller, waren wir drei uns einig: Wir hatten zwei Tage Schneehuhnjagd in Schweden erlebt, wie sie aufregender, anspruchsvoller und schöner nicht hätte sein können!

© Dr. Christian Holm