Drückjagd in Ungarn

Eine Drückjagd in Ungarn ist an Spannung nicht zu überbieten. Hier berichten einige Jagdreisende von ihren Erlebnissen.

Drückjagd in Ungarn - das osteuropäische Land lockt jedes Jahr zahlreiche Auslandsjäger zu spektakulären Drückjagden in wundervollen Landschaften. Doch Ungarn verfügt nicht nur über enorme Wildbestände, sondern auch über eine gewachsene Jagdkultur, hohe Könnerschaft und traumhafte Reviere. Ein privater Veranstalter führt dort seit 20 Jahren Verkaufsjagden durch. Wir waren dabei – und das mit Begeisterung.

Atemberaubende Landschaften

Zwanzig Zentimeter Schnee waren letzte Woche gefallen – und bis heute liegengeblieben. Die Landschaft sieht aus, als hätte sie sich einer schweren Erkältung ergeben – und unter einer Daunendecke verkrochen. Die fahle Wintersonne taucht die Szenerie in ein atemberaubendes Licht. Die letzte Nacht war eiskalt. Die Sterne standen hoch und klar am Himmel, und die Luft ist noch immer zum Schneiden. Das völlige Fehlen von Geräuschen, die schallschluckende Stille verrät, dass wirklich Winter ist. Unwillkürlich kommen einem Erinnerungen an frühere Jahrzehnte, in denen das Wild es noch viel schwerer hatte, als zu den heutigen Phasen kurzer Kälteeinbrüche.

Dankbarkeit und Freude auf der Drückjagd in Ungarn

Während mein Blick auf der Drückjagd in Ungarn über das riesige Tal von Vezprem wandert, wird die Eitelkeit der Schöpfung in jedem Detail erkennbar. Ich kann meinen Atem sehen. Blaue Wolken vernebeln die Sicht auf die spektakuläre Bühne vor mir. Und obwohl ich seit zwei Stunden verfroren auf meinem kleinen Drückjagdbock im Westen des Balatons stehe und meine Zehen nicht mehr spüren kann, fühle ich mich lebendiger als jemals zuvor. Ein wohliger Schauer des Glücks durchströmt meinen Körper, und voller Dankbarkeit schaue ich zurück auf das, was meine Freunde und ich hier während der letzten drei Tage erleben durften. Doch lassen wir die Teilnehmer selbst zu Wort kommen...

© Pauline von Hardenberg
© Pauline von Hardenberg
© Pauline von Hardenberg
© Pauline von Hardenberg

Revier Bagot, Constantin erinnert sich...

„Ich konnte die Sauen sehen, sie fegten durch den Bestand. Auch Rotwild kam, aber leider überriegelt. Daher konnte ich nicht schießen. Ich habe an diesem Tag nichts erlegt. Trotzdem war es immer spannend, mit meinen Freunden zusammen zu jagen. Ich freue mich, wenn es neben mir knallt, wenn ich die Hunde höre, wenn ich das Gefühl habe, mittendrin statt nur dabei zu sein. Am nächsten Tag kam das Wild bei mir – so ist das eben. Die Natur ist kein Automat.“

Revier Bagot, Jäger Robert erinnert sich...

„Bei mir waren auf der Drückjagd in Ungarn unglaublich viele Saufährten,
aber die Schweine kamen partout nicht heraus.
Da wir Neuschnee hatten, haben sie sich total einschneien lassen. Die Treiber haben bravourös gekämpft, allen voran der unerschütterliche Meutenführer. Dass sie bei Neuschnee nicht aufstehen, war ärgerlich, aber umso spektakulärer war, wie das Rotwild stundenlang vor mir hin- und hergezogen ist. Da die hochläufigen Stücke mit dem Neuschnee nicht vertraut waren, verließen sie das Treiben nicht. Dadurch kam mir dasselbe starke Rudel dreimal, und ich konnte insgesamt drei Kälber erlegen. Das erlebe ich in Deutschland manchmal in einem ganzen Jahr nicht. Es war für mich eine willkommene Chance, diese faszinierende Wildart zu bejagen und Erfahrungen zu sammeln. In dem Revier Bagot sind die Rotwildbestände sehr hoch, und mein Standbegleiter war heilfroh, wenn es Schützen gibt, die mit dem Kahlwild klarkommen.“

© Pauline von Hardenberg
© Pauline von Hardenberg
© Pauline von Hardenberg

Revier Vezprem, Jäger Johannes erinnert sich...

„Ich hatte einen Stand in einem Buchenaltholz. Mich hat gleich im ersten Treiben ein starkes Rudel Rotkahlwild angewechselt. Da ich in Ungarn Platz habe und normalerweise entspannt schieße, treffe ich in der Regel auch gut. Ich konnte drei Kälber aus dem Rudel erlegen. Danach kamen immer wieder einzelne Sauen den Hang hoch, davon konnte ich noch einmal eine erlegen. Das war Jagd vom Feinsten. Nicht auf jedem Stand klappt es so, nicht jedes Treiben hier hat soviel Wild zu bieten. Aber das ist Jagd
in freier Wildbahn – und etwas anderes würde mich auch nicht reizen. Gut verstanden habe ich mich mit meinem Standbegleiter. Er kam aus Österreich und war ein Kenner der Wildbahn.“

Revier Bagot, Jäger Jasper erinnert sich...

„In Deutschland nehme ich jeden Winter an etwa zehn Drückjagden teil. Dabei habe ich seit Jahren irgendwie kaum mehr Anlauf gehabt. Die Sauen kamen nicht, oder sie kamen zu weit, oder es waren die falschen Stücke. Zur Drückjagd in Ungarn fuhr ich daher mit dem erklärten Ziel, dass diese Serie irgendwann reißen muss. Und genau das passierte gleich zu Beginn. Am Nachmittag des ersten Jagdtags kam mir eine ganze Rotte Sauen im Schnee auf 50 Meter. Sie umkreisten mich einmal in rasender Flucht. Ich traf den ersten Frischling perfekt – und konnte noch vier weitere Sauen aus dieser Rotte er- legen. Damit hatte niemand – und ich am allerwenigsten – gerechnet. In diesem Moment hatte sich die Reise für mich schon gelohnt, denn dieses Jagderlebnis werde ich niemals vergessen.“

© Pauline von Hardenberg
© Pauline von Hardenberg
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Revier Valicka, Jäger Udo erinnert sich...

„Ich habe morgens nichts gesehen,
das Schilf war leider leer. Aber am Nachmittag wurde ich förmlich umgelaufen. Ich habe den Stand meines Lebens gehabt. Erst erlegte ich sage und schreibe fünf Stück Kahlwild, dann zwei pfeilschnelle einzelne Sauen. Die Stände waren total unterschiedlich, die Treiben waren total unterschiedlich. Aber was mich fasziniert hat, war, dass ich in einem Treiben saß, bei dem meine Freunde die Nachbarn waren. So konnten wir alle an den Jagderlebnissen der anderen teilhaben. Und das macht Jagd aus – Freundschaft und Gemeinsamkeit.“

Revier Valicka, Jäger Christian erinnert sich...

„Dieses Revier besteht aus Schilf, Schwarzdorn sowie einem gegenüberliegenden, bewaldeten Berg. Dadurch ist es enorm abwechlungsreich. Ich hatte einen Stand im Schilf, dieses war durch den Schnee aber total zusammengebrochen. Bei mir kam nur ein einziger Frischling, den ich erlegen konnte. Wenn wir eine Woche vorher gekommen wären, hätten wir sehr hohe Wildbestände erlebt. In den letzten Jahren haben sie hier bis zu 50 Sauen erlegt. Heute keine zehn, so ist es nun einmal auf der Drückjagd in Ungarn.“

© Pauline von Hardenberg