Schwarzwildjagd auf Korsika

Dr. Nina Krüger durfte eine Schwarzwildjagd auf Korsika begleiten. Ihr bot sich eine Jagd in faszinierendem Panorama.

„Schwarzwildjagd auf Korsika?“ Das war meine erste Reaktion auf die ungewöhnliche und recht spontane Drückjagdeinladung von Magic Safari Lodges. Bisher war mir die Insel nur als schickes Urlaubsziel und Herkunft des Muffelwildes bekannt, dass es dort Schwarzwild geben sollte, war mir bisher völlig entgangen.

Norddeutsche Einheitsgrau

Da das norddeutsche Einheitsgrau auch dem gebürtigen Küstenmenschen irgendwann auf die Stimmung schlagen kann, war eine Abwechslung vom trüben Regenwetter mehr als willkommen.

Frühling im Winter

Ein kleines Hindernis sollte die Anreise allerdings noch darstellen. Bietet der Flughafen Hamburg bis Anfang November noch zweistündige Direktflüge an, so entpuppte sich der Winterflugplan zur Schwarzwildjagd auf Korsika als ganztägige Odyssee durch Frankreich. Von Hamburg ging es nach Paris, in Paris musste per Shuttlebus der Flughafen gewechselt werden, um nach Marseille weiterzureisen. Eine Propellermaschine brachte mich schließlich auf die viertgrößte Mittelmeerinsel, wo mich der dänische Kollege Jens Ulrik Høgh bei frühlingshaften Temperaturen bereits erwartete. Jacke und Winterstiefel landeten im Kofferraum, und wir machten uns auf die etwa halbstündige Fahrt zur Domaine de Murtoli durch eine wunderschöne, aber felsige Landschaft. Mir fiel es schwer zu glauben, dass hier Schwarzwild in bejagbaren Dichten vorkommen soll. Es schien nicht viel mehr als Sand und Steine zu geben, wovon die Borstenträger auf der Insel hätten leben können.

Sauen und Meeresrauschen

Als wir jedoch auf dem Besitz der Familie Caranelli ankamen, öffnete sich zwischen den Felswänden vor uns ein Tal, in dem ein Fluss von saftigen Wiesen gesäumt und in der Ferne von Kiefern- und Korkeichenwäldern umgeben wurde. Das sah schon eher nach Sauen aus, und wir wetteten in den kommenden Tagen vor jedem Fahrtantritt, wie viele wir auf den kurzen Wegstrecken in Anblick bekommen würden. Der Rekord lag eines Abends bei 23 Sauen direkt vor unserer Unterkunft. Die Begrüßung durch den Inhaber Paul Caranelli persönlich und den Berufsjäger Constant Boulard am ersten Abend fiel herzlich aus, und man versprach uns beim exzellenten Abendessen mit spannenden Jagdtagen auf getriebene Sauen nicht zu viel. Der Vollmond und das Meeresrauschen machten die Nachtstunden, die bei mir wie vor jeder Drückjagd schlaflos ausfielen, sogar richtig romantisch.

© Camille Moirenc
© Camille Moirenc

Pfeilschnelle Schwarzwildjagd auf Korsika

Früh am nächsten Morgen erwartete uns dann ein üppiges Frühstück im Haupthaus, und die glühend aufgehende Sonne versprach spitzen Wetter. Die Jagdansprache unterschied sich kaum von einer deutschen, es wurde auf die Sicherheitsaspekte hingewiesen und darum gebeten, insbesondere führende Bachen zu schonen. Bald sollten wir feststellen, dass die Sauen auf Korsika deutlich geringer ausfallen als auf dem europäischen Festland und man eine ausgewachsene Sau schnell für einen Frischling oder Überläufer hält – zumal alles Schwarzwild nach Verlust der Streifen hier tatsächlich pechschwarz zu sein schien. Dazu war es pfeilschnell und kam selten im Rottenverband, also ohne Größenvergleich.

Spannende Treiben

Gejagt wird mit Treibern und der typisch korsischen Hunderasse, den Cursinu. Sie stammt von den antiken französischen Saupacker-Rassen ab und diente den Inselbewohnern im Mittelalter auch zur Verteidigung gegen Seeräuber. Heutzutage wird die arbeitswillige, scharfe, aber freundliche Rasse nur noch zur Jagd eingesetzt. Mit Glöckchen am Halsband waren die Hunde meist einzeln oder zu zweit unterwegs und brachten die Sauen gut auf Trab. Die Treiben waren bei nur zehn Schützen klein und dauerten zwischen 30 Minuten und einer Stunde. Die Schützen zur Schwarzwildjagd auf Korsika wurden auf Schneisen zwischen den Waldstücken auf Drückjagdböcken angestellt. Im allgemeinen war das Schussfeld günstig, aber so mancher musste sich im ersten Treiben erst auf die rasante Geschwindigkeit der Schwarzborstler einstellen. So ging der ein oder andere Schuss ins Leere. Trotzdem lagen schon am Morgen mehr Sauen, als Schützen teilgenommen hatten. Darunter zwei Keiler, die zwar wenig durch ihre Wildbretgewichte hervorstachen, aber mit ihren Waffen doch zu beeindrucken wussten. Auch wenn das Gebiet teilgezäunt ist und das Schwarzwild zugefüttert wird, um Wildschäden an Golfplatz sowie Weiden in Grenzen zu halten, ist es wild und weiß genau, was ihm an einem Jagdtag blüht. Dahingehend steht ein korsisches Sautreiben keinem deutschen in Spannung nach.

© Constant Boulard
© Dr. Nina Krüger
© Camille Moirenc

Starke Keiler auf Korsika

Mittags begann es, pünktlich zum Barbecue am Strand zu tröpfeln. Offenbar hatte uns das norddeutsche Wetter mit etwas Verspätung doch noch eingeholt. Der Nachmittag war für Fasan- und Rothuhntreiben reserviert, die trotz des stärker werdenden Regens erstaunlich gut flogen. Wer mit der Flinte trifft, hat auch mit der Büchse gute Karten auf flüchtiges Wild, sagt man. Die Trainingseinheit war also für den zweiten Drückjagdtag mehr als willkommen. Erst am nächsten Morgen sollte es nämlich wieder auf Sauen gehen. Diesmal in einem ganz anderen Revierteil und Terrain. Das erste Treiben dauerte fast drei Stunden, in denen man von Erhöhungen wie Felsen oder Hügeln einen atemberaubenden Blick über die Landschaft hatte. Da die Schützen hier weitläufiger abgestellt worden waren, konnte in fast jede Richtung geschossen werden. Da nun mit mehr Hunden, aber weniger Treibern Druck aufgebaut wurde, konnten Sauen jederzeit und aus allen Richtungen anwechseln, was sie auch taten. Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt, als ein weiterer alter Keiler meinen Stand ausgerechnet in der winzigen Lücke passierte, die keinen Kugelfang bot, und sich anschließend Jens Ulrik präsentierte, der untypischerweise auch keinen Schuss los wurde. Erst zwei Stände weiter kam er zur Strecke und sollte sich beim Streckelegen als ältestes Stück Schwarzwild entpuppen, das ich bis dato gesehen hatte – dabei wog der Basse kaum 40 Kilogramm.

Wie Gott in Frankreich

Das 2.500 Hektar große Anwesen Domaine de Murtoli ist nicht nur ein Paradies für Jäger – hier können neben Saujagden auch Fasanen- und Rothuhntreiben gebucht werden –, es hat darüber hinaus noch einiges zu bieten. Neben dem Wahrzeichen der Insel, einer Felsformation, die sich der Korsische Löwe nennt und tatsächlich wie ein liegender Löwe mit gewaltiger Mähne aussieht, finden sich herrlich einsame Strände, Wellnessmöglichkeiten und ein Golfplatz auf dem Familienbesitz. Wer also mit nichtjagendem Anhang reist, wird diesen problemlos beschäftigt bekommen, bis man sich am Abend in einem der vier Restaurants zum Essen wieder trifft. Diese werden hauptsächlich von dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb des Anwesens versorgt, der neben Milch- und Fleischprodukten auch Gemüse und sogar Honig liefert. Natürlich wird auch das Wildbret verwertet und in ausgezeichneten Gerichten verwendet. Hier kann je nach Geschmack zwischen regionalen Spezialitäten und internationaler Haute Cuisine gewählt werden. Wer den Ausspruch „Wie Gott in Frankreich“ erfunden hat, muss auf der Domaine de Murtoli gewesen sein.

Schwarzwildjagd auf Korsika - Luxusurlaub

Untergebracht ist man in liebevoll restaurierten, ehemaligen Fischer- und Schäferhäusern. Aus rohem Stein in der typisch korsischen Architektur des 17ten Jahrhunderts gemauert, liegen sie meist ganz romantisch in Strandnähe und abseits neugieriger Blicke. Sie verfügen meist über mehrere Schlaf- und Badezimmer, eine vollausgestattete Küche, einen Kamin sowie Grill- und Outdoorküche im Gartenbereich. Wer einen Luxusurlaub in Verbindung mit einer Drückjagd der besonderen Art kombinieren will, ist hier an der richtigen Adresse.

Kontakt: magicsafarilodges.com oder murtoli.com

© Camille Moirenc
© Camille Moirenc

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