Rothirschjagd in Deutschland

Die Rothirschjagd in Deutschland bietet gerade während der Brunft einzigartige Erlebnisse und faszinierende Eindrücke.

Das Schreien der Hirsche, das Krachen der Äste, die Wittrung des Rudels – Spannung pur auf der Rothirschjagd in Deutschland! Begleiten Sie den Jagdjournalisten Gert G. v. Harling beim Aufregendsten, was das deutsche Waidwerk dem Jäger zu bieten hat: das Angehen von Brunfthirschen!

Wachsende Herbststimmung

Das Getreide ist gemäht, geerntet, geborgen, die Hackfrüchte ruhen noch im Erdreich, Mais, Rüben und Sonnenblumen lassen sich Zeit. Der Anblick der Felder hat sich im Laufe der Jahreszeiten rapide gewandelt. Heute werden viele Äcker unmittelbar nach Einbringen des Getreides umgebrochen, nur wenige Stoppelfelder wecken Erinnerungen an die Zeiten, in denen wir mit dem Vorstehhund Hühner suchten, Zeiten, die unwiederbringlich vorüber sind. Wogende Halmenmeere, in denen Klatschmohn, Kornblumen und Co. geduldet wurden, über denen Lerchen trillerten, in denen Wild Deckung und abwechslungsreiche Äsung fand, sind in Stoppeläcker verwandelt worden, Spatzen und Goldammern halten dort Nachlese. Unmengen an Körnern sind bei der Ernte auf den Boden gefallen, bieten den gefederten Sängern einen reichlich gedeckten Tisch, aber die Äsung für das Wild wird bald knapp. Der Wind weht würzigen, aromatischen Duft frischer Erde, trockenen Strohs und gemähten Getreides herüber. Herbststimmung! Das Land neigt sich der großen Ruhe entgegen. Es ist nicht zu übersehen, dass es sich auf den Winter vorbereitet. Der Sommer ist müde geworden.

Erlebnisse auf der Hirschjagd

Die Tage sind noch warm und sonnig, die Nächte aber werden länger. Morgens lag dichter Nebel über Wald und Wiesen, Moor und Heide, Feld und Flur, und ich fühle, ich weiß, es dauert nicht mehr lange, bis die Hirschbrunft beginnt, so wie es jedes Jahr sein wird und seit Menschengedenken war. Es ist kühl. Ich stehe unter einer dicken Erle, der Hund sitzt erwartungsvoll neben mir, und wir warten auf den Entenstrich. Die Eicheln an den alten Bäumen auf der anderen Seite des Flüsschens sind noch grün. Ab und an platscht eine ins Wasser. Meine Hündin blickt auf der Rothirschjagd in Deutschland gebannt dorthin, dann rollt sie sich zusammen und schläft. Es bleibt mir noch eine Viertelstunde zum Träumen, bevor die Breitschnäbel erscheinen, und ich denke an ein Erlebnis während der Hirschbrunft mit einem Jagdgast im letzten Jahr.

Rothirschjagd in Deutschland – intensive Brunft

Wir versuchten, nicht weit von hier einen Hirsch anzugehen, der im lichten Bruch brunftete. Ich vermutete, er würde in den Tageseinstand ziehen, und wollte ihm den Weg abschneiden. Auf dem breiten Grasstreifen, der den Einstand vom Bruch trennt, kamen wir zügig voran. Das Rudel müsste diesen Streifen queren, rechnete ich mir aus. Schon stand ein Tier am Rand des Bruchs, eräugte uns und preschte sofort zurück, das gesamte Rudel hinterher. Der Wind stand günstig, der Hirsch meldete unbeeindruckt weiter, hatte die Störung offenbar nicht bemerkt. Ich ahmte sofort das Mahnen eines Tieres nach, und gleich darauf hörten wir, dass der Hirsch verhielt und dann auf uns zuzog. Nach wenigen Augenblicken erschien er knapp 20 Gänge vor uns auf dem Grasstreifen und sicherte fast eine Minute lang zu uns herüber.

© Rafal Lapinski
© Rafal Lapinski

Interessanter Eissprossenzehner

Als er sich endlich abwandte, raunte ich dem Gast auf der Rothirschjagd in Deutschland zu: „Schießen!“ Der war so verblüfft, dass er einige Schrecksekunden benötigte, bis er sein Gewehr von der Schulter nahm. Da äugte der Eissprossenzehner wieder zu uns, erkannte die nur wenige Meter entfernt lauernde Gefahr, schreckte einmal und prasselte zurück ins Moor. Spannende Momente. Mein Gast war begeistert. Er hatte im Ausland einige Hirsche vom Hochsitz aus erlegt, aber noch nie Rotwild so nahe erlebt. Ich dachte damals unwillkürlich an den Ausspruch unseres Wildmeisters, meines Lehrprinzen: „Einen guten Brunfthirsch schießt man nicht vom Hochsitz“, und Erinnerungen an verklungene Jagdtage werden wach...

Täglicher Einstand

Zwei Jahre zuvor hatte ich im „Süßen Winkel“, einem nur einen knappen Kilometer entfernten, beliebten Rotwildeinstand, eine noch hautnahere Begegnung. Ich sollte einen Jagdgast auf einen Hirsch führen, und dort meldete damals sporadisch ein Hirsch mit guter Stimme. Nach erfolgloser Frühpirsch beschlossen wir, ihn in dem besagten „Süßen Winkel“ anzugehen. Ich kannte die Abteilung in- und auswendig, wusste, wo wir im Schutz einer aufgeworfenen Grabenböschung entlangkriechen konnten und wo genau das Rudel tagsüber wahrscheinlich stand, nämlich auf einer Blöße inmitten von acht- bis zehnjährigem Kiefernanflug. Es war früher Vormittag, der Hirsch meldete aber noch fast ohne Pause. Vorsichtig arbeiteten wir uns in den dichten Bestand hinein. An einer Freifläche angelangt, schickte ich auf der Muschel dem Hirsch ein paar Trenzer entgegen, und der antwortete prompt.

Ewiges Verharren

Ich schrie zurück und bearbeitete mit einem Stock die verkrüppelte Kiefer, hinter der ich mit dem Gast auf der Rothirschjagd in Deutschland kauerte. Der Hirsch zog schreiend näher. Da verschwieg er. Zwanzig Meter vor uns vernahmen wir Stangenstreichen, leises Brechen, gingen in die Knie, lagen dann bewegungslos auf den Waldboden gepresst und starrten durch die unteren Zweige des Deckung bietenden Kiefernbuschs. Spannende Augenblicke später machten wir knapp zehn Meter vor uns eine Bewegung aus – Rotwildläufe. Der Hirsch kam noch näher. Deutlich erkannte ich seine erregt verdrehten Lichter. Ein weiterer Schritt, ich hielt den Atem an, und über uns peitschten die Zweige wild hin und her, der Hirsch bearbeitete wütend die Kiefer, die uns Deckung bot. Dann äugte er erregt in die Runde, verharrte eine gefühlte Ewigkeit lang bewegungslos, wandte sich ab und verschwand langsam, lautlos wie ein Geist. So nah mit einem Brunfthirsch zusammenzukommen, ist mir nie wieder gelungen.

© Thomas Atwell
© Rafal Lapinski
© Silvio Heidler

Rothirschjagd in Deutschland – lautes Melden

Erwartungsvoll wandern meine Blicke zum Himmel. Die Stille des Abends ist fast mit den Händen zu greifen, das helle Klingeln in der Luft bleibt aus, die Enten streichen nicht. Doch da stockt mir der Atem, ein Rothirsch meldet, ein anderer antwortet, ein Dritter stimmt ein, es herrscht wieder diese fast unwirklich feierliche, unter die Haut gehende Stimmung, in der man den Herrgott am liebsten bitten würde: „Ach könnt’ es Herbst im ganzen Jahre bleiben!“ Wie elektrisiert horche ich auf das „Uaah! – Uaah!“, dem ich ein Jahr lang entgegengefiebert hatte, die Bestätigung, dass die heiligen Tage des Jahres, die Zeit der Brunft des Rotwildes, eingeläutet sind.

Brunftschrei der Hirsche

Ist es noch das Licht der schwindenden Nacht oder bereits das des beginnenden Morgens, des untergehenden Mondes oder schon das der aufgehenden Sonne? Das Zwielicht – der immer wiederkehrende ewige Kampf zwischen Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit, so ewig wie der Brunftschrei der Hirsche – zieht mich lange vor Anbruch der Dämmerung wieder in seinen Bann. Mit der Wende vom September, vom „Scheiding“, zum Oktober, dem „Gilbhart“, wechselte auch der Mond. Das Wetter war umgeschlagen. Nach war- men Nebeltagen ist es nun kalt und klar. Leichter Westwind trägt, wie die Wellen des Meeres anschwellend und wieder verebbend, die Melodie eines eindrucksvollen Brunftkonzerts heran und begleitet mich auf dem Gang ins Revier. Ich pirsche auf einem breiten Sandweg an einen der Hirsche heran. Deutlich höre ich es brechen. Ein schwerer Wildkörper drängt sich durch dichtes Gezweig, Sprengruf erschallt. Dreißig Gänge vor mir prasselt ein Stück Rotwild davon, ein stärkeres, dunkleres folgt, verhofft, aber ich kann es nicht sehen, nur hören.

Ein alter Recke

Ein langer, dunkler Ruf erschallt: Der Platzhirsch, der gewaltigen Stimme nach ist es ein alter Kämpe, hat einen Nebenbuhler vertrieben und trollt zu seinem Rudel zurück. Schemenhaft erkenne ich seinen starken Wildkörper, dann ist er verschwunden, verschluckt von Dunkelheit und Deckung. Angestrengt lausche ich. Krachen und Gepolter hallt durch den Wald, als seien fünfzig Stück Rotwild auf den Läufen. Der Platzhirsch steht wieder beim Rudel, röhrt ab und zu, und ich beeile mich, auf dem Sandweg näherzukommen. Geweihgeklapper klingt herüber, zwei Beihirsche scherzen. Es wird heller. Die Sonne ist im Wald noch nicht zu sehen, hat sich aber schon über den Horizont erhoben. Auf der Wasserfläche des Grabens, der zur Linken des Weges dahin fließt, spiegelt sich das erste Licht des Tages. Trotz anstrengendem Lauschen ist nichts mehr vom Hirsch zu vernehmen. Stille! Intensiven Brunftgeruch nehme ich wahr, aber das Rudel ist fort.

© Rafal Lapinski
© Rafal Lapinski

Goldene Oktobertage

Es ist schon taghell, da meldet der Hirsch mit der beeindruckenden, unverkennbaren Stimme auf der anderen Seite des Weges. Der Wind weht mir entgegen, ich kann auf dem Sandweg weiter dem Rufenden entgegenschleichen. Die Sonne verzaubert den in lichte Nebelschwaden gehüllten Oktobermorgen. Breite Strahlen, in die sich sanfte Dunstschleier hineinweben, dringen durch die Kronen der hohen Kiefern. Die braun-gelben Blätter der Birken am Wegesrand werden zu einer leuchtenden, goldenen Kulisse. Die unterschiedlichen Farben und Färbungen verwandeln den Wald in einen Lebensraum voller Geheimnisse, in ein Reich der Nymphen, Kobolde und Elfen. Ein wahrhaft goldener Oktobertag ist angebrochen, begleitet von dem imposanten Schreien des mir unbekannten Platzhirsches und seiner Beihirsche.

Vorsichtige Pirschgänge

Es ist nicht schwierig, sich dem Brunftgeschehen geräuschlos zu nähern, nach 150 Metern vorsichtiger Pirsch schimmert es hirschrot zwischen weißen Birkenstämmen: Kahlwild! Drei Tiere mit Kälbern und ein Schmaltier äsen unbeeindruckt vom Lärm und der Unruhe der Hirsche hinter ihnen. Durch das Zielfernrohr des in der Schießgabel ruhenden Gewehrs erkenne ich, fast doppelt so stark wie die Tiere und dunkler in der Färbung, endlich auch den Platzhirsch. Das bräunliche Bentgras ist noch von hellem Raureif bedeckt, und wie auf einem silbernen Teppich zieht der Hirsch erregt darüber hin. Um näher heranzukommen, müsste ich durch den knietiefen Graben waten, doch die Entscheidung wird mir abgenommen. Deutlich spreche ich in beiden Kronen der langen, dünnen Stangen vier Enden an: Ein hoffnungsvoller Vierzehnender vom siebten oder achten Kopf schreit seine ganze, urwüchsige Kraft in den klaren Morgen hinaus. Er hat mich mit seiner tiefen Stimme getäuscht, aber damit einen unvergesslichen Morgen beschert.