Weltweite Schafjagd

Reiseexperte Nikolaus Brockmann stellt die weltweiten Möglichkeiten verschiedener Schafjagden vor.

Die weltweite Schafjagd umgibt eine besondere Mystik. Vielleicht, weil für kaum ein anderes Wild so viele Strapazen auf sich genommen werden müssen. Reiseexperte Nikolaus Brockmann von Globus Jagdreisen weiß, wie man wo und zu welchen Preisen diese spannenden Wildarten bejagen und das Jagderlebnis seines Lebens mit nach Hause nehmen kann.

Verschiedene Schafe

Schafe kennt jeder: als Kind hatten wir eins als Kuscheltier, zu jedem Modell-Bauernhof gehören welche und im Norden Deutschlands halten sie das Gras auf den Deichen kurz. Das Schaf ist sprichwörtlich nicht gerade für Temperament oder scharfe Sinne bekannt, liefert zwar Wolle, schmeckt aber nur als Lamm und dient immer noch vielen beim Zählen zum Einschlafen. Kurzum: Schafe gelten als langweilig. Schafszucht ist hierzulande kaum rentabel, und der romantisch anmutende Beruf des Wanderschäfers ist vom Aussterben bedroht. Ganz anders sieht das mit den Wildschafen aus – vor allem aus der Sicht des Jägers. Bei der allgemeinen Betrachtung der Wildschafe als Jagdwild muss man zwischen Europa und Übersee bzw. Asien unterscheiden. Kommen in Zentraleuropa nur das Muffelwild und in kleinen Beständen das Barbary- oder Mähnenschaf in Spanien vor, so eröffnet sich in Nord- und Mittelamerika sowie in Vorder- und Hinterasien dem Schafsjäger eine ganz andere Welt.

Das Muffelwild

Die in Europa beheimatete Schafart, das Muffelwild, stammt aus Beständen aus Korsika und Sardinien, wobei umstritten ist, ob es von Hausschafen abstammt und seine Ausbreitung durch Auswilderungen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts begründete. Als begehrtes Jagdwild hat es sich in Mittelgebirgsrevieren, aber auch im Flachland etabliert, wobei die Vorkommen mit geschätzt derzeit 8.000 Stück in Deutschland immer inselartig blieben und so, im Vergleich zur Rehwildjagd, nur wenigen Jägern Jagdmöglichkeiten bieten. Muffelwidder gelten ab sechs Jahren als reif und erreichen mit etwa 80 bis 85 Zentimetern Schneckenlänge bzw. ab 205 CIC-Punkten eine Goldmedaille. Kommen in Deutschland hin und wieder starke Widder in dieser Klasse zur Strecke, so sind es besonders Länder wie Tschechien oder Kroatien, die mit qualitativ hochwertigen Beständen und starken Trophäen zwischen 210 und 230 Punkten von sich reden machen und jedes Jahr viele Jäger anziehen. Aber auch Polen verfügt über einen guten Bestand im Eulengebirge, Schlesien, der zwar nicht so starke Trophäen hervorbringt, einen aber eine preiswerte und gute Muffelwildjagd in einer schönen Mittelgebirgslandschaft erleben lässt.

© Silvio Heidler

Das Ende des Muffelwilds

Erst in den letzten Jahren seit der rasanten Ausdehnung der Wölfe in Europa sind die Bestände des Muffelwilds bedroht und in einigen Regionen Deutschlands bereits stark zurückgegangen oder gar erloschen. Das angeborene Fluchtverhalten, nach einem kurzen Sprint zu verhoffen, wird ihnen bei dem Großräuber zum Verhängnis, denn Schutz bietende, unzugängliche Berghänge oder Felsformationen fehlen hier. Auch in unseren Nachbarländern Tschechien und Polen hegt man diese Befürchtung, zumal dort an der Muffelwildjagd auch viele Arbeitsplätze hängen. In Tschechien hat man noch die Möglichkeit, dieser Entwicklung durch den Ausbau von Großgattern zu begegnen. Ob dies allerdings erfolgreich ist, muss sich noch zeigen.

Weltweite Schafjagd – Krone des Waidwerks

In Nordamerika hat die Schafjagd einen ganz anderen Stellenwert und gilt als die Krone des Waidwerks. Jeder amerikanische Jäger träumt von einem „ram“, einem Widder, und das Kopf-Schulter-Präparat zumindest eines Dallschafs schmückt viele Jagdzimmer. In Nordamerika kommen vier sogenannte Schafarten vor: das Dallschaf (Alaska, Britisch Kolumbien, Nord-west-Territorien und Yukon), das Rocky Mountain- oder California-Dickhorn-Schaf, das Stoneschaf (Britisch Kolumbien und Yukon) und das Desert-Dickhorn- Schaf (Südwest-USA, Mexiko). Die Jagd in Nordamerika wird durch ein strenges Lizenzsystem geregelt, das bestimmten Gebieten eine Quote zuweist, die jedes Jahr nach Zählungen dem Bestand angepasst wird. Amerikanische Jäger haben die Möglichkeit, für wenig Geld (und geringer Chance) an den jeweiligen Lotterien zur Vergabe der Lizenzen teilzunehmen oder für sehr viel mehr Geld eine Lizenz und Jagd bei einem Outfitter zu kaufen.

© Pixabay

Teure Lizenzen

Für eine Dallschafjagd werden um die 25.000 US-Dollar fällig, für eine Jagd auf Stoneschaf um die 50.000 US-Dollar. Die Lizenzen für die selteneren Dickhorn-Schafe können schon mal gute 100.000 US-Dollar kosten, und wenn es sich um eine exklusive Lizenz in einem ganz bestimmten, vielleicht länger nicht bejagten Gebiet handelt, werden diese auf Auktionen vergeben und erzielen schon mal astronomische Preise. So fiel 2013 der Hammer für eine Lizenz für ein Dickhorn-Schaf im US-Bundesstaat Montana bei 480.000 US-Dollar.

Weltweite Schafjagd – Titel, Orden, Ehren

Organisiert werden diese Auktionen von den amerikanischen Schafjägervereinigungen, und die Erlöse fließen zum großen Teil in Naturschutzprojekte, Umsiedelungsprogramme und Reservate. Wer so viel Geld für eine einzige Abschusslizenz ausgibt, muss zum einen sehr vermögend, zum anderen aber auch ein absoluter Enthusiast sein. Dies wird auch in den verschiedenen Klassifizierungen deutlich, die ein Schafjäger erreichen kann, wenn er zum Beispiel alle vier amerikanischen Schafarten („Grand Slam“) oder zwölf Schafarten weltweit („Ovis World Slam“) erlegt hat. Darüber hinaus gibt es jede Menge Orden für besonders starke Trophäen, langjährige Verdienste auf dem Gebiet der Schafjagd und Auszeichnungen für erfolgreiche Jagdführer und renommierte Outfitter.

© Globus Jagdreisen

Asiatische Schafe

Schaut man nun nach Asien, so eröffnet sich dem Schafjäger eine große Palette an Wildarten, Jagdmöglichkeiten und -ländern, so dass hier nicht auf alle einzelnen Schafarten und Reiseziele eingegangen werden kann. Mindestens sechs Unterarten der Schneeschafe, fünfzehn Argalis, sieben Mufflons und fünf Uriale werden je nach Lebensraum unterschieden. Für den gelegentlichen Schafjäger sind etliche Unterarten von geringer Bedeutung, für den enthusiastischen Sammler, der zudem alle Trophäen registrieren lässt, aber ein Muss. Wenn man bedenkt, welchen Aufwand und welche Anstrengung etwa eine siebentägige Jagd auf das Marco Polo-Argali in Tadschikistan für über 30.000 Euro und auf 5.000 Metern Höhe oder auf ein Altai-Argali in der Mongolei für 100.000 Euro bedeutet, kann man sich vorstellen, welche jagdliche und finanzielle Leistung hinter der vollen Trophäenwand eines passionierten Schafjägers steht. Nicht zu vergessen auch der Beitrag, der dadurch in die Erhaltung der Lebensräume und dem Schutz der Wildbestände fließt und der die eine oder andere seltene Schafart für nachfolgende Generationen erhält.

Hohe Erfolgsquote

Allgemein kann man sagen, dass die weltweite Schafjagd, bedingt durch die Lebensraumansprüche dieser Wildarten, stets in sehr schönen und abgelegenen Landschaften stattfinden. Da die meisten Wildschafe in bergigen Regionen von bis zu 5.000 Metern Höhe leben, sind die Jagden körperlich anstrengend, zeitraubend und vor allem in Nordamerika und Asien logistisch aufwendig. Weite, oftmals mehrtägige Anreisen, Einfliegen mit dem Buschflugzeug oder Hubschrauber und Übernachtungen in Zeltcamps, Jurten oder Schäferhütten müssen in Kauf genommen werden. Der versierte Schafjäger will nicht irgendeinen, sondern einen reifen und möglichst starken Widder erlegen und muss dann neben Geduld auch die Ausdauer und Kraft aufbringen, immer wieder weite Wege zu gehen, Aufstiege zu bewältigen und geringeres Wild laufen zu lassen.

© Globus Jagdreisen

Ein weiter Schuss

Ist dann das Objekt der Begierde ausgemacht, muss oftmals weit geschossen werden. Bei zum Beispiel Marco Polo- Jagden wird von Schussentfernungen von bis zu 500 Metern berichtet. Starke, weittragende Kaliber, große Zielfernrohre und natürlich eine angepasste, hochwertige Spezialbekleidung sind dabei Grundvoraussetzungen. Nichtsdestotrotz weisen Schafjagden eine hohe Erfolgsquote aus. Zum einen sind Wildschafe relativ standorttreu und tagaktiv, zum anderen sind die Jäger, die sich darauf einlassen, in der Regel gut vorbereitet. Bei der begrenzten Anzahl guter Schafjagden wundert es nicht, dass sie sehr stark nachgefragt sind. Zumindest Jagden in Asien und Nordamerika sollte man ein bis zwei Jahre im Voraus planen. Egal, ob man dann am Ende einer Jagd die Schnecken eines reifen Muffels, Dickhorn-Widders oder Argalis in Händen hält, man wird so eine Trophäe stets hoch schätzen und ihr, vielleicht als Kopf-Schulter-Präparat, einen Ehrenplatz an heimischer Trophäenwand zuweisen.

Kosten der Schafjagden

Schafart/Land

Abrechnung

Trophäe

Preis

Muffelwild/Polen

nach Trophäenstärke in cm

60/70 cm

ca. € 1.380/€ 2.485

Muffelwild/Tschechien

nach Trophäenstärke in CIC

205/220 CIC

ca. € 2.585/€ 4.950

Dallschaf/Alaska

Trophäe inkl. Jagd pauschal

 

ca. ab $ 17.710

Stoneschaf/Kanada

Trophäe inkl. Jagd pauschal

 

ca. ab $ 40.000

Dickhorn-Schaf/Kanada

Trophäe inkl. Jagd pauschal (Auktion)

 

ca. ab $ 75.000

Marco Polo/Tadschikistan

Trophäe inkl. Jagd pauschal

 

ca. ab € 30.000

Gobi-Argali/Mongolei

Trophäe inkl. Jagd pauschal

 

ca. ab € 75,000

Altai-Argali/Mongolei

Trophäe inkl. Jagd pauschal

 

ca. ab € 100.000